Unsere Philosophie als Baumschule
In den allermeisten Hausgärten muss die Wahl eines Obstbaums wegen der Bestäubung nicht unnötig kompliziert werden.
Bienen und andere bestäubende Insekten legen beachtliche Distanzen zurück. Auch wenn Sie von Ihrem Garten aus keinen anderen Obstbaum sehen, befindet sich häufig einer in einem Nachbargarten, einem Obstgarten, einem Park oder bei einem Landwirtschaftsbetrieb.
Echte Bestäubungsprobleme betreffen vor allem grosse Anlagen mit Hunderten oder Tausenden Bäumen derselben Sorte. Dort müssen geeignete Bestäubersorten gezielt eingeplant werden, weil eine ungenügende Befruchtung ein bedeutendes wirtschaftliches Risiko darstellt.
Bei wenigen Bäumen in einem Familiengarten funktioniert die Bestäubung meistens ganz natürlich.
Wie funktioniert die Bestäubung von Obstbäumen?
Damit sich eine Frucht bildet, muss Pollen auf den weiblichen Teil der Blüte gelangen. Dieser Transport wird hauptsächlich von Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und weiteren Insekten übernommen.
Manche Sorten können mit ihrem eigenen Pollen befruchtet werden. Sie gelten als selbstfruchtbar. Andere benötigen den Pollen einer kompatiblen Sorte, die zur gleichen Zeit blüht. Sie sind selbststeril oder nur teilweise selbstfruchtbar.
Selbst selbstfruchtbare Sorten tragen häufig mehr und regelmässiger, wenn eine zweite kompatible Sorte in der Nähe blüht.
Welche Obstbäume brauchen eine zweite Sorte?
Apfelbäume
Die meisten Apfelsorten tragen besser, wenn sich in der Nähe eine andere Sorte mit ähnlicher Blütezeit befindet.
In Gärten und Wohngebieten ist dies selten ein Problem, weil Apfelbäume weit verbreitet sind und Bienen den Pollen zwischen den Bäumen transportieren.
Birnbäume
Viele Birnensorten profitieren ebenfalls von einer zweiten kompatiblen Sorte.
Oft reichen Birnbäume in benachbarten Gärten aus. Ein fehlender Fruchtansatz hängt häufig eher mit Spätfrost, schlechtem Blühwetter oder dem Alter des Baums zusammen.
Kirschbäume
Einige Kirschsorten sind selbstfruchtbar, andere benötigen eine passende Bestäubersorte.
Für einen sehr isolierten Garten bietet eine selbstfruchtbare Sorte zusätzliche Sicherheit. In Wohngebieten genügen nahe gelegene Kirschbäume häufig bereits.
Pfirsich- und Aprikosenbäume
Viele Pfirsich- und Aprikosensorten sind selbstfruchtbar und können allein Früchte bilden.
Ihr grösseres Risiko sind meist Spätfröste, Regen während der Blüte oder Krankheiten, die durch feuchte Witterung begünstigt werden.
Pflaumen- und Zwetschgenbäume
Einige Sorten sind selbstfruchtbar, andere tragen in Gegenwart einer zweiten Sorte deutlich besser.
Da Pflaumen- und Zwetschgenbäume in vielen Gärten vorkommen, ist die Bestäubung in der Praxis meistens ausreichend.
Beerenobst
Viele Beerenarten wie Johannisbeeren, Cassis oder Himbeeren können allein tragen.
Mehrere Sorten können den Ertrag erhöhen und die Erntezeit verlängern.
Warum blüht ein Baum, trägt aber keine Früchte?
Wenn ein Obstbaum reich blüht und trotzdem keine Früchte bildet, ist nicht automatisch die Bestäubung schuld.
Häufige Ursachen sind:
- Spätfrost während oder kurz nach der Blüte.
- Kalte, regnerische oder windige Witterung, welche den Bienenflug einschränkt.
- Ein Baum, der für einen regelmässigen Ertrag noch zu jung ist.
- Ein zu starker Schnitt, der vor allem Holz- und Triebwachstum fördert.
- Eine Sorte mit natürlicher Alternanz, die nur jedes zweite Jahr stark trägt.
- Zu wenig Licht.
- Schlechter Fruchtansatz nach der Blüte.
- Seltener: das Fehlen einer kompatiblen Bestäubersorte.
Wann sollte man tatsächlich handeln?
Eine gezielte Lösung ist sinnvoll, wenn ein Baum:
- Alt genug für einen normalen Ertrag ist.
- Reich blüht.
- Keinen sichtbaren Frostschaden erlitten hat.
- Während der Blüte günstiges Wetter hatte.
- Über mehrere Jahre kaum Früchte bildet.
In diesem Fall kann das Fehlen einer kompatiblen Sorte tatsächlich die Ursache sein.
Was tun bei einem echten Bestäubungsproblem?
Es gibt mehrere einfache Lösungen. Der Baum muss nicht gerodet und die gesamte Pflanzung nicht ersetzt werden.
Eine zweite Sorte pflanzen
Die einfachste Lösung ist eine kompatible Sorte mit ähnlicher Blütezeit.
Sie muss nicht direkt neben dem vorhandenen Baum stehen. Bienen übernehmen den Pollentransport zwischen den Bäumen.
Einen Ast einer anderen Sorte aufveredeln
Wenn kein Platz für einen zweiten Baum vorhanden ist, kann ein Ast einer Bestäubersorte direkt auf den bestehenden Baum veredelt werden.
Bereits ein einzelner Ast mit passender Blütezeit kann die Bestäubung verbessern.
Blühende Zweige in Wasser aufstellen
Schneiden Sie einige blühende Zweige einer kompatiblen Sorte und stellen Sie sie in einem Eimer oder einer Vase mit Wasser in die Nähe des Baums.
Bestäuber besuchen zuerst die Blüten des Strauss- oder Zweigbündels und danach die Blüten des Baums. So wird der Pollen auf natürliche Weise übertragen.





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